rüfüs du sol – underwater

Wendelsteinrundfahrt 2018

Meine erste Radtourenfahrt überhaupt führte mich auf offiziell 205 Kilometer und 3050 Höhenmeter einmal um den Wendelstein und den Tegernsee herum.

Wer ein Gefühl für die Wendelsteinrundfahrt 2018 und auch die Strecke bekommen möchte, kann sich das folgende Video von Thomas anschauen:

Die Vorgeschichte

Ich denke immer mal wieder daran, wie es wäre, mit dem Fahrrad von München zum Gardasee zu fahren. Und nachdem es dieses Jahr im Sommer nicht geklappt hat und wir stattdessen die Niederlande bereist haben – hier der Reisebericht – ist dieser Traum nach wie vor noch ein Traum, der irgendwann einmal in Erfüllung gehen soll. Vor allem die Höhenmeter sind es, die einen noch etwas abschrecken. Wer mich kennt, der weiß, dass ich bis Anfang dieses Jahres ein absoluter Höhenmeter-Verweigerer war und die Schwierigkeit meiner Strecken immer in Höhenmeter pro Kilometer bemessen habe, um nie in Gefahr zu laufen, zuviele Höhenmeter zu fahren.

Kurz zum Hintergrund: Ich bin Triathlet und die Wettkämpfe sind meistens auf sehr flachen Radstrecken. Ich trainiere das, was ich im Rennen fahre, also fahre lieber 4h komplett flach auf dem Auflieger im Kreis als bergig, um eben das Auflieger fahren zu lernen. Denn auch 4h flach muss man erst einmal fahren können, durchgehend drücken, keine Pause für Beine und Rücken.

So kam es, dass ich erst im März 2018 das allererste Mal mehr als 1000 Höhenmeter während einer Radfahrt fuhr, genau genommen waren es 1003 Höhenmeter. Bis zur Wendelsteinrundfahrt sollte dies auch die einzige Radfahrt bleiben, bei der ich vierstellige Höhenmeter fuhr. Nichts desto trotz begann damit auch eine Art Umdenken bei mir. Ich begann, Höhenmeter nicht mehr komplett zu vermeiden. Viel hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass ich mir ein neues Rennrad gekauft habe und ich Spaß daran gefunden habe, nicht nur TT zu fahren, sondern eben auch Rennrad. Und das Rennrad ist nunmal für die Berge!

Die Idee, an der Wendelsteinrundfahrt teilzunehmen, kam von Tom Freitag und irgendwie sagte ich ohne großes Zögern zu. Von Anfang an Stand für uns beide fest, dass es die Marathonstrecke, die längste der angebotenen Strecken, sein sollte und so buchte ich im Mai meine Teilnahme.

Ich konnte nicht einordnen, welche Belastung auf mich zukam, insbesondere die Berge bereiteten mir etwas Sorgen. Bei mir im Dachauer bzw. Schrobenhausener Hinterland gibt es keine Berge, es gibt Hügel und kleine Anstiege. Der längste Anstieg, den ich hier kenne, ist der Gerolsbacher Berg mit 1,8km Länge und durchschnittlich 4% Steigung.

Die Wendelsteinrundfahrt – So war es

Ankunft 07:05 Uhr, noch einmal das Fahrrad gecheckt, die Reifen  aufgepumpt, Startunterlagen abgeholt und schon ging es zum Startbereich, wo wir Freunde von Tom Freitag trafen.

Bild von Thomas – https://gertaly.wordpress.com/

Um Punkt 07:53 Uhr wurde der Startknopf gedrückt, los ging die Wendelsteindrundfahrt 2018. Tom Freitag und ich fuhren die ersten 23 Kilometer gemeinsam mit seinen Freunden und neben der Strecke an sich war das ein weiteres Highlight des Tages. Fahrradfahren in der Gruppe, das kannte ich bisher nicht von meinen TT-Einsam-und-allein-Fahrten. Zwar fuhr ich ab und zu mit Freunden, aber wir waren wenn dann doch nur zu zweit oder ganz selten mal zu dritt unterwegs. So kam es, dem Windschatten sei dank, dass wir die ersten 23 Kilometer mit durchschnittlich 31 km/h fuhren, da kam Freude auf.

Aber auch Besorgnis meinerseits. Mental hatte ich mich darauf eingestellt, die Radfahrt am Anfang ganz locker und gemütlich angehen zu lassen, da es ein langer Tag werden würde. Also nicht zuviel Watt treten. Nicht, dass ich es später noch bereuen würde (mein Spruch, nicht wahr Stefan und Simon!). Nur musste ich auf den ersten 23 Kilometern doch teils deutlich mehr als 200 Watt treten, um bei den Anstiegen an der Gruppe dran bleiben zu können. Hier fragte ich Tom, ob wir nicht etwas lockerer machen sollten. Er entgegnete, dass man sich vor den langen Anstiegen auch mal warm fahren muss und dass ich nicht immer so sehr auf die Watt schauen soll beim mitrollen. Das versuchte ich von da an auch und ich muss sagen, dass das ein guter Tipp war.

So fuhren wir gemeinsam bis Nußdorf am Inn, wo der erste Anstieg auf uns wartete. Der Mühltalweg führte uns für ca. 9,2 Kilometer mit ca. 337 Höhenmeter vorbei am Duftbräu Richtung Frasdorf.

Das war er also, mein erster Berg. Ja, wie war es? Relativ entspannt, ich bin 7 Kilometer mit durchschschnittlich 177 Watt und 146 Puls hochgefahren, das ist mittleres GA1 und so hat es sich auch angefühlt. Es war interessant, die anderen Fahrer und ihre unterschiedlichen Arten des Bergauffahrens zu sehen. Manche ganz locker und ruhig, andere ganz konzentriert und angespannt.

Danach ging die Fahrt relativ unspannend weiter Richtung erster Verpflegungsstelle, die nur von einer kurzen Toilettenpause vorher unterbrochen wurde. Nach 2:15h Fahrtzeit und einer Strecke von 58 Kilometern erreichten wir die erste Verpflegungsstelle. Wir hatten von Anfang an beschlossen, möglichst wenig Pausen zu machen, also zwischendrin nur mal 2-5 Minuten halten und kaum längere Pausen außer ein bis zwei Mal zum Essen. Hintergrund ist, dass man sich nach längeren Pausen jedes Mal erst wieder warm fahren muss, bis es sich wieder flüssig fährt und dieses warm fahren nicht so super angenehmn ist. Bei der ersten Pause tranken wir etwas, füllten unsere Flaschen auf und aßen 2 Semmeln, das war es.

Weiter ging es über die Grenze nach Österreich, wo wir nach knapp 12 Kilometern die Ortschaft Auerbach erreichten, die auch gleichzeitig den Start des steigungsmäßig schlimmsten Abschnittes der ganzen Wendelsteinrundfahrt bedeutete. In den kommenden 15,3 Kilometern fuhren wir 645 Höhenmeter, darunter war der Teilabschnitt Tatzelwurm mit 15% Steigung auf einer Strecke von 900 Metern.



Im Vorfeld hatte ich mit Tom gesprochen, wie man solche Steigungen überhaupt fährt, weil selbst bei moderater Umdrehung von 70-80U/min und einer Übersetzung von 34 vorne / 32 hinten doch noch sehr hohe Wattzahlen zu treten sein würden. Seine logische Antwort: Weniger Umdrehungen. Also versuchte ich, das in etwa umzusetzen und fuhr diesen Teilabschnitt mit durchschnittlich 55U/min und leistete damit 209 Watt bei einer Herzfrequenz von 166 Schlägen pro Minute, typisches GA2 für mich. Diese Steigung zu fahren war eine neue und interessante Erfahrung und zwar aus mehreren Gründen. Zum einen tat das Hochfahren in den Beinen nicht halb so weh wie befürchtet. Es war sehr anstrengend, ja. Aber es war nicht so anstrengend, als dass ich beim atmen schnaufen musste. Die Atmung und auch das Treten war ziemlich kontrolliert. Zum anderen fing jedoch mein unterer Rücken an zu verkrampfen, da bei solch einer Steigung wohl doch ziemlich Haltearbeit vollbracht werden musste. Und zu guter Letzt verstand ich auch endlich die Radfahrer, die bei Anstiegen die Sonnenbrille absetzten. Bei solch einer Steigung ist die Geschwindigkeit so niedrig – in meinem Fall 6,8 km/h – dass praktisch kein Fahrtwind existiert. Mit der Sonne von oben ist es sehr warm geworden und ohne Sonnenbrille hat man wenigstens etwas mehr Erfrischung im Gesicht.

Die folgende Grafik zeigt den gesamten Anstieg zum Sudelfeld, blau markiert ist der Abschnitt Tatzelwurm, die rote Linie zeigt meine Herzfrequenz, die lile Linie zeigt meine Wattleistung.


Endlich oben angekommen, aber wo war das Schild, was uns die Ankunft der Passhöhe signalisierte und von dem ich natürlich ein Foto machen wollte. Es war.. total versteckt und nichtmal wirklich ganz oben, ich bin schlichtweg daran vorbei gefahren.

Schade, dann eben weiterfahren, immerhin ging es bergab. Ein guter Trost war die Aussicht, die war wundervoll. Ich freute mich bestimmt eine ganze Minute auf das Bergabfahren, vielleicht waren es auch nur 40 Sekunden. Denn es war das allererste Mal, dass ich einen Pass wieder herunterfuhr und so war ich natürlich total verunsichert darüber, wie mein Fahrrad bremst und wie und vor allem wie schnell ich fahren sollte. Mir schwirrte die ganze Zeit im Kopf herum, was passiert, wenn hinter der nächste Kurve ein Auto steht (ich fahre voll hinein) oder wenn die Kurve plötzlich enger wird und zumacht (ich fliege über die Böschung drüber). Beides wollte ich vermeiden, also fuhr ich langsam und kontrolliert herunter.

Die 4 Kilometer Abfahrt, in der wir 280 Höhenmeter bergab fuhren, fuhr ich mit durchschnittlich 51,5 km/h herunter. Danach rollte es so lang hin, es gab hier und da ein paar Hügel und Wellen, alles in allem war es vom Profil her aber recht unspektakulär. Dafür war die Streckenführung einfach richtig schön.

6:26h Radfahren und 153 Kilometern später erreichten wir die letzte Verpflegungsstation. Hier füllten wir noch einmal unsere Flaschen auf, machten Toilettenpause und streckten die Beine aus, noch etwas erholen für die letzten 50 Kilometer. Es war ganz interessant zu sehen, wie klein diese Verpflegungsstation im Gegensatz zu den anderen Stationen war. Das lässt wohl darauf schließen, wie wenige der 2000 Teilnehmer wirklich die Marathonstrecke absolvieren. Denn alle Fahrer der kürzeren Strecken, also der 50,120 oder 165KM Strecken, sind bereits vorher abgebogen Richtung Ziel.

Im Anschluss warteten noch 2 Anstiege auf uns, der erste begann kurz nach Rottach-Eggern und der zweite Anstieg führte direkt am Spitzingsee vorbei.

Hier kam ich mit einem älteren Radfahrer ins Gespräch und wir fuhren den ersten Anstieg gemeinsam hoch und unterhielten uns dabei über – natürlich – Radfahren. Interessanterweise fährt er auch oft in der Dachauer bzw. Schrobenhausener Gegend und da gab es natürlich gleich interessante Strecken zum teilen. Er erzählte mir allerdings auch von gefühlt 50 Pässen und Bergen, die sehr interessant zu fahren seien – ich kannte leider keinen einzigen Pass oder Berg davon, da brauch ich wohl noch etwas Nachhilfe!

Nach dem ersten Anstieg wartete ich auf Tom – wir hatten vereinbart, dass bei den Anstiegen jeder sein eigenes Tempo fährt und wir uns oben treffen – und wir fuhren gemeinsam weiter. Die folgende Passage war wirklich ein Traum, man fuhr durch eine Art Klamm, hatte links und rechts die hochragenden Felswände und rechts neben uns floss ein Bach entlang! Am Spitzingsee trafen wir noch Toms Mutter, die dort auf uns gewartet hat zum anfeuern, da haben wir noch kurz Pause gemacht und uns etwas unterhalten, bevor es anschließend weiter auf die letzten Kilometer ging.

Direkt nach dem Spitzingsee kam noch einmal eine längere Abfahrt, bevor es leicht wellig Richtung Ziel ging.

Nach 8 Stunden und 40 Minuten Fahrtzeit erreichten wir das Ziel. Wir haben etwas mehr als 207 Kilometer Strecke zurückgelegt und sind 2881 Höhenmeter gefahren.

 

Strava:

Laut Traininpeaks bin ich durchschnittlich 24 km/h gefahren und habe dafür im Schnitt 131 / Normalized 164 Watt über 8:40h lang getreten. Mein Puls lag im Schnitt bei 142 Schlägen pro Minute. Gerollt bin ich laut Strava übrigens 2:21h lang, ohne in die Pedale zu treten, Windschatten sei Dank. Wer die Zahlen im Detail anschauen möchte, geht zu meiner Aufzeichnung bei Trainingpeaks – Link: http://tpks.ws/VXQGQ6YVP7TVB5GXSVIJHJXECM!

Fazit

Wie war es? Kurz und knapp: Traumhaft. Es war wirklich sehr schön, landschaftlich wundervoll, es waren viele neue Erfahrungen, mir ging es mental als auch physisch die ganze Zeit richtig gut und ich hatte zu keiner Zeit mentale Hänger oder Leistungseinbrüche. Die gemeinsame Fahrt mit Tom Freitag war der Hauptgrund dafür. Wäre ich allein gefahren, wäre das Risiko deutlich größer, dass ich überzockt hätte und hintenraus ggf. eingebrochen wäre. Das betrifft insbesondere die flachen Passagen, auf denen ich wahrscheinlich schneller gefahren wäre. Auch die späteren Anstiege wäre ich allein ggf. schneller hochgefahren, aber bei der ersten, so langen, Radtour weiß man ja nie, was am Ende noch kommt. Also war es genau richtig so, wie wir gefahren sind.

Die Strecke war wie schon erwähnt atemberaubend. Weit oben in den Bergen, wo man tief ins Tal blicken kann oder zwischen ganz kleinen Ortschaften durchs Niemandsland. Ob ich die Wendelsteinrundfahrt noch einmal fahre? Ich weiß es nicht. Ob ich Radmarathons oder RTF mit ähnlichem Profil von Streckenlänge/Höhenmetern noch einmal fahre? Auf jeden Fall!

One Comment

  1. […] started together, six of us. The twin brothers Martin and Mathias, Tom and Tom, and Reik and I. (One Tom also wrote about it on his own blog.) These were also the pairs of similar performance. The twin brothers only did 120km anyways as they […]

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