d. polo – let you go
Half Tour Du Mont Blanc from Chamonix to Courmayeur
Einen Tag nach meinem Abstieg vom Mont Blanc und somit zwei Tage, nachdem ich oben auf dem Gipfel des Mont Blanc stand, sollte unser Half TMB beginnen. Was ist das? TMB = Tour du Mont Blanc ist ein mehrtägiger Fernwanderweg einmal um das Mont Blanc-Bergmassiv herum. Die Strecke ist 170 Kilometer lang, hat über 10.000 Höhenmeter und wir wollten grob die Hälfte davon machen. Einmal von Chamonix in Frankreich bis nach Courmayeur in Italien wandern. Der Tag startete mit einer Wahnsinnsaussicht auf den Mont Blanc. Findet ihr ihn? Es ist der kleinste der Hügel ganz in der Mitte und er wirkt nur deswegen so klein, weil er viel weiter weg ist als die anderen Berge. In Wahrheit ist er deutlich höher als die Gipfel links und rechts.

Tag 1 – Prolog, von Chamonix nach Les Houches – 12,5km, 83hm Aufstieg, 1605hm Abstieg

Gondel statt wandern? Das muss ich erklären. Ich wollte von Chamonix aus nicht mit dem Bus nach Les Houches, dem offiziellen TMB-Start, fahren und Laura wollte nicht im Tal neben der Straße entlang nach Les Houches wandern. Also entschieden wir uns, mitten in die offizielle letzte TMB-Etappe einzusteigen, die oben bei Brevent / Plan Praz verläuft. So fuhren wir mit der Gondel von Chamonix aus nach oben, um dort den Weg bis nach Les Houches zu gehen.

Die Aussicht im oberen Teil des Weges war beeindruckend, man hatte den Mont Blanc die ganze Zeit im Blick. Was oben so schön mit Aussicht begann, sollte im weiteren Verlauf leider umschlagen zu Wald. Nach ca. der Hälfte des Weges begann der Wald, nahm uns die Aussicht und gleichzeitig mit ihm begannen auch Lauras Oberschenkel langsam aber stetig zu kapitulieren. Mehr als 1.500 Höhenmeter bergab müssen Oberschenkel auch erst einmal mitmachen. Statt Les Houches gab es Asphalt und Wald. Die Stimmung war eher, nennen wir es „angespannt“.

Endlich in Les Houches angekommen, waren Lauras Beine komplett durch und sie wollte nicht einmal mehr fotografiert werden. Aber meine Kamera war natürlich schneller als Lauras Versuch, ihre Hand schützend vor ihr Gesicht zu halten. Erst mit dem Essen wurde die Stimmung schlagartig besser, ein klassischer fall von Hangry -> Hungry and Angry. Danach gingen wir zum Zeltplatz „Camping Bellevue“, wo ich unser Zelt aufbaute und anschließend noch einmal in die Stadt zum Supermarkt ging, während sich Laura etwas ausruhen konnte.
Es ist verrückt, wie „ultralight“ Ausrüstung sein kann. Das vierte Bild unten zeigt mein ganzes Schlafsetup für 0 Grad, oben der Schlafsack, dann das echte(!) 2-Personenzelt mit Stauraum für Rücksäcke und zwei breite (>60cm) Isomatten, darunter die Isomatte selbst und mein Kopfkissen. Alles zusammen nur knapp über 1,5 Kilogramm Gewicht.

Tag 2 – Von Les Houches nach Les Contamines-Montjoie – 23,1km, 1548hm Aufstieg, 1346hm Abstieg

Der Tag begann durchwachsen, aber mit etwas Ausblick aus dem Zelt, Alpenglühen in den Bergen oben. Aber noch während wir im Zelt lagen, fing es an zu regnen. Erst leicht, dann immer stärker, so dass wir unser ganzes Zeug im Zelt drinnen packten und anschließend das Zelt selbst im strömenden Regen einpacken mussten. Lerneffekt des Morgens: Die DCF-Zeltverpackung ist nicht wasserdicht und so war mein gesamter Rucksackinhalt inkl. Kleidung am Abend nass. Lerneffekt Nr. 2: Der Pumpsack für die Isomatte funktioniert zwar super als Kompressionsbeutel, um Kleidung klein zu verstauen, wasserdicht ist er aber auch nicht. Alles abgebaut und die Tour begann im Regen.

Ein Großteil der Wanderer, die die Tour du Mont Blanc gingen, begannen diese mit der Gondelfahrt hoch zur Station Bellevue. Das kam für mich aber nicht in Frage, ich bin schließlich hier, um mich auch zu bewegen. Gerade das Bergaufgehen gehört doch zu den Dingen, die einem mental Ruhe und Frieden verschaffen können. Einfach gehen, nicht nachdenken, ein Schritt nach dem anderen machen.
Nur für Laura war es leider kein mentaler Frieden, sondern der erste (und glücklicherweise einzige) mentale Nervenzusammenbruch der gesamten Tour. Strömender Regen, Wald, langweiliger Forstweg entlang des Skigebietes nach oben und Beine, die schon zu Beginn des Tages nicht mehr wollten. Laura konnte nicht mehr und ihre Beinmuskulatur war schon nach einer Stunde vollkommen am Ende, Lauras Stimmung war am Ende.

Die Wut auf den vorherigen Tag mit so viel Abstieg, der vermeidbar gewesen wäre, hätte man doch nur den Bus genommen. Der Anfang der Tour, keine Freude, nur Schmerz und Ärger. Ich nahm Laura ihren Rucksack für eine kurze Zeit und redete ihr gut zu, dass das hier genau die Momente im Leben sind, in denen man auch wächst und stärker wird. Nicht, weil man durchziehen und etwas zu Ende bringen muss, sondern einfach, weil man es ertragen muss, dass es jetzt gerade nicht gut ist, man sich schlecht fühlt, es aber irgendwann wieder besser wird. Man muss nur warten, leiden und darauf vertrauen, dass diese Zeit endet und es wieder besser wird. Hier und da war eine kleine Träne dabei und ich bot Laura mehrmals an, dass wir die Tour auch jetzt beenden könnten, mit der Gondel runterfahren und einfach so Urlaub in Frankreich machen. Das meinte ich ernst. Ich wollte Laura auf keinen Fall das Gefühl geben, sie müsse die Tour für mich machen, denn das war nicht so. Ich hatte die letzten Tage und Monate genug Berge und Landschaft gesehen, ein entspannter Urlaub war absolut fein für mich, alles tutti und so. Aber Laura wollte die Tour ja auch selbst machen und ärgerte sich einfach wahnsinnig, wie es halt gerade lief. Laura ging es nicht gut. Laura lief weiter.

Und irgendwann wurde es auch wieder besser, der Wald endete, die Sonne kam raus, der Weg wurde schöner und all die Qualen der vorherigen Stunden gerieten mehr und mehr in Vergessenheit. Wir ließen Bellevue hinter uns und nahmen die TMB-Variante via Col du Tricot. Dazu muss man wissen, dass es nicht die eine TMB-Route gibt. Es gibt mehrere Varianten pro Tag, einfachere und schwerere Etappen. Mit Col du Tricot machten wir zusätzlich 700hm Aufstieg und 500hm Abstieg, die sich absolut lohnen und uns einen Blick des Tages auf den Mont Blanc bescheren sollten.

Oben am Col du Tricot angekommen, machten wir unsere erste längere Pause. Das am Vortag gekaufte Essen essen (Laura hatte Sandwiches, ich hatte Baguette mit Babybell, Gurke und Salami-Sticks), bevor es an den steilen Abstieg zum Refuge de Miage ging. Dieser war wirklich steil und in vielen Reiseführern wird davor gewarnt, hier zu schnell zu gehen, da viele hier Sprunggelenksverletzungen davontragen. Während Laura am Vortag beim Abstieg noch etwas unsicher mit der Fußplatzierung wirkte, war ihre Trittsicherheit nun wieder voll da und wir überholten die Wanderer am laufenden Band. Nicht ohne einem Mann vor uns noch einen kurzen Ratschlag zu geben, wie er seinen Fuß platzieren und sein Gewicht verlagern soll, um bergab bei losem Schotter nicht auszurutschen. Denn in den 3 Minuten, die wir hinter ihm liefen, war es ein reines Wunder, dass er bei den zahlreichen Ausrutschern nicht ganz stürzte.

Refuge de Miage hinter uns gelassen, ging es erst 200 Höhenmeter hinauf. Etwa eine Stunde später hatten wir diesen letzten Aufstieg des Tages hinter uns und gönnten uns noch eine kleine Pause beim Chalet du Truc, wo es Blaubeerkuchen und heiße Schokolade gab.

Es folgte erst ein langer Abstieg entlang einer Forststraße und danach der sich doch ziemlich ziehende Marsch aus Les Contamines heraus zum Campingplatz, der auch ewig nicht erscheinen wollte. Irgendwann war er da, also Eingecheckt, Zelt aufgebaut und zur Freude des Abends am Foodtruck drei Pizzen bestellt und den Abend ausklingen lassen.

Tag 3 – Von Les Contamines-Montjoie nach Les Mottets – 21,3km, 1932hm Aufstieg, 1009hm Abstieg

Heute stand ein großer Tag bevor. Es war nur ein einziger Anstieg, dieser hatte aber über 1.400 Höhenmetern am Stück. Während es die letzten beiden Tage noch recht ruhig mit anderen Wanderern war, hatten wir hier beim Anstieg von Anfang an viele Wegbegleiter, die mit uns gemeinsam starteten. Erster Halt: Col du Bonhomme.

Die Sonne schien, es waren angenehme 15-17 Grad und die Stimmung war spitze, was möchte man mehr? Wir gingen relativ konstant vor uns hin, nicht langsam, aber auch nicht schnell, und konnten so das Übliche beobachten, dass ich von der Zugspitze schon gut kannte: Die Menschen „rennen“ anfangs immer los, überholetn uns und machen wenig später wieder Pausen zum Durchschnaufen, an denen wir diese Gruppen wieder überholten. Unter ihnen war eine Gruppe Engländer, mit denen das bestimmt 4.5 Mal so ging, bis deren Pausenabstände so kurz wurden, dass die Zeit dazwischen nicht mehr reichte, um uns wieder einzuholen. Während wir lange Hose und Oberteil anhatten, trugen diese kurze Hose und T-Shirt und beschwerten sich dennoch über die „brutal heat“ hier. So unterschiedlich können Empfindungen sein.

Die letzten Höhenmeter vor dem Col du Bonhomme sind angebrochen und langsamer wurde es einsamer um uns herum. Während wir konstant unser Tempo gingen, holten wir im Laufe der Stunden immer mehr Menschen ein, die im Laufe des Weges immer langsamer wurden. So wurde es immer einsamer um uns herum und ich war mir ziemlich sicher, dass wir am Ende alle eingeholt haben würden, die uns anfangs überholt hatten. Das soll nicht nach Angeberei klingen, sondern einfach nur das klassische Bild beschreiben „schnell starten und hintenraus einbrechen vs. langsam und gemütlich, aber konstant ohne viele Pausen durchlaufen“.
Laura fragte mich am Anfang des Tages, ob denn bei ihr dieser „Flow“ kommen würde, von dem man beim Wandern immer liest. Wo man aufhört, darüber nachzudenken, dass es jetzt anstrengend bergauf geht und wie lange es noch dauert. Wo man einfach abschaltet und geht, ein Schritt vor den anderen und immer weiter gehen. Einfach gehen. Und tatsächlich sagte mir Laura nach ca. 800 Höhenmetern, dass sie tatsächlich gar nicht mehr darüber nachdenkt, dass sie jetzt nach oben gehen muss, dass es gerade anstrengendes Wandern ist, sondern dass sie einfach in diesem „Flow“ drin ist und einfach geht. Und ich fand das richtig schön. Viele Menschen verstehen nicht, was „schön“ daran sein kann, stundenlang bergauf zu gehen (oder Radfahren, da ist es das Gleiche). Es ist stundenlang so monoton, dass es für den Geist wirklich fast meditativ wirkt. Wann sonst hat man stundenlang keine Abwechslung, kein Handy, kein Social Media, einfach man selbst und seine Gedanken.

Das nächste Bild braucht noch einmal genauere Erklärung: Der Mann hinter Laura versuchte bestimmt die letzten 30-45 Minuten, auf uns aufzuschließen, nur um dann unmittelbar, als er uns erreichte, wieder eine Pause zu machen. Laura und ich grübelten die ganze Zeit, ob er es schaffen würde, uns vor dem Gipfel noch einzuholen oder nicht. Und tatsächlich schaffte er es ganz knapp davor. Das war tatsächlich eine richtig witzige Situation, weil man so mitfiebert und man ja auch die ganze Zeit mit ihm als Fremden nebeneinander geht, verbunden im Geiste und so.
Oben angekommen, wäre es für uns eigentlich ein kleines Stück bergab gegangen zur La Croix du Bonhomme, eine Hütte mit Übernachtungsmöglichkeit. Diese Hütte war unser heutiges Tagesziel, das wir bereits gegen 12 Uhr Mittags erreichten. Und hier machten wir etwas, was manche als Fehler bezeichnen würden. Wir gingen einfach weiter. Kein genießen des restlichen Tages, sondern weitergehen, mehr Strecke machen, dem Ziel weiter näher kommen. Laura und ich waren uns beide einig, dass wir durchaus noch einige Zeit gehen konnten und da wir mit Zelt und Essen im Rucksack sowieso flexibel waren, gingen wir los.
Wir folgten nicht der Standard TMB-Route, die ins Tal geht und dann flach entlang weiter verläuft, sondern nahmen die Variante Col des Fours, die uns weiter hoch bis auf 2663m Höhe führen sollte.

Der Weg dorthin war noch einmal spannender und abwechslungsreicher als der bisherige. Die grünen Wiesen wurden nach und nach von rotem und grauem Fels verdrängt und es waren immer weniger Wanderer mit uns unterwegs, denn die wenigsten nehmen diese TMB-Variante. Das liegt daran, dass der Abstieg von 2663m Höhe der Ort ist, an dem auf der gesamten TMB-Route der Schnee am längsten Liegen bleibt und dabei sehr viele Unfälle passieren, wenn Wanderer beim Abstieg ausrutschen und viele hundert Höhenmeter bergab rutschen. Auch wir hatten hier noch etwas Schnee, aber nur die Brücke, der Abstieg war komplett schneefrei. Dafür war die Aussicht absolut beeindruckend! Welches Glück wir wieder mit dem Wetter hatten! Es war zwar windig und frisch auf über 2.600m Höhe, aber zum Glück hatten wir nicht nur leichte Sommerkleidung dabei, sondern auch warme Hose und Oberteil.



Einige Stunden später waren die Kräfte schon ziemlich am Ende. 2 Tagesetappen an einem Tag schlauchen dann doch ganz schön. Zum Glück hatten wir es zur Hütte Les Mottets geschafft, unserem Übernachtungsplatz. Doch die Stimmung kippte schnell, als wir erfuhren, dass man hier nicht zelten darf. Wir sollen doch bitte noch weiter den Berg hoch, irgendwo seien dann Plätze zum (erlaubten) Wildzelten. Könnt ihr sie sehen, die Freude in Lauras Gesicht? Komplett am verhungern, verschlang sie das Essen und war sehr unhappy, weil es jetzt eigentlich wirklich schon genug war für heute. Zur Wahrheit gehört, dass ich auch keine Lust mehr hatte, auch nur einen Meter weiter zu laufen. Aber unsere Hoffnung wurde eben zerstört und das bedeutete: Jetzt so viel Essen wie möglich, es wird kein Abendessen im Refugio geben, sondern im Zweifelsfall wieder Baguette mit Babybell und Salami Sticks. Ja, das hatten wir immer noch nicht aufgegessen.


Um Laura etwas zu unterstützen, nahm ich wieder ihren Rucksack, verabschiedete mich dann aber auch gleich von ihr und lief zügig voraus. Mit 2 Rucksäcken, insgesamt grob 20 Kilo, nochmal 300hm in knapp 25 Minuten gemacht, das war nicht so schlecht. Beeilen wollte ich mich, weil sich schon einige Zeltwandersleute vor uns auf den Weg nach oben gemacht hatten und ich Angst hatte, dass keine guten Zeltplätze mehr übrig bleiben. So ging ich los und machte Höhenmeter um Höhenmeter, sah aber ewig keinen Platz. Ich dachte fast, ich sei hier komplett falsch. Aber irgendwann war er da, unser schöner Platz.

Mit dem Pumpsack wurde die Isomatte aufgepustet, damit man keine feuchte Atemluft verwenden muss, was das Risiko von Schimmelbefall im Inneren der Isomatte mit sich bringen würde. Zelt aufgebaut und Mensch, was war das für eine atemberaubende Aussicht. So etwas kenne ich sonst nur aus Filmen. Doch es war echt und wir lagen mitten in dieser Kulisse, gemeinsam kuschelnd im Zelt.

Tag 4 – Von Les Mottets nach Courmayeur – 21,9km, 1001hm Aufstieg, 1887hm Abstieg

Es war eine eisige Nacht, sternenklar, irgendetwas um die 2-3 Grad vielleicht. Wir beide waren froh, noch einmal in unsere Schlafausrüstung investiert zu haben. Schlafsack mit T-Comf 0 Grad und anständige Isomatten, jeweils 7,6cm dick und ein R-Wert von 4,5. Die Nacht war denoch die schlechteste aller Nächte, was daran lag, dass unser Zeltuntergrund nicht ganz eben war. Eine Wiese am Berg eben und kein Campingplatz. Das sorgte dafür, dass unsere Isomatten immer leicht um Zelt Richtung Hang verrutscht sind und wir auf den Isomatten selbst auch nochmal. Stoff auf Plastik auf Plastik hat leider nicht den besten Halt. Und so kam es auch, dass Laura ihr Rücken nach der Nacht etwas angeschlagen war, was vermutlich mit ein Grund dafür war, dass Laura sich beim hochheben ihres Rucksacks (seitlich verdreht hochgehoben, Klassiker) eine Blockade im Lendenwirbelbereich zuzog und selbst jetzt 2 Wochen später noch Probleme mit dem Rücken hat. Aber der Tag musste auch irgendwie durchstanden werden, also starteten wir recht früh und verloren nicht so viel Zeit mit dem Packen.

Dick eingepackt und Handschuhe an, es war wirklich frisch! Aber sobald uns die Sonne erreichte, konnte wieder eine Schicht weichen und das Gehen wurde angenehmer.

Nach wenigen hundert Höhenmetern erreichten wir schon den Col de la Seigne und hatten eine Aussicht auf den Mont Blanc, wie wir sie bisher noch nie gesehen hatten. Die Rückseite sieht komplett anders aus als man es von Chamonix aus erwarten würde. Links die Aiguille Noire (de Peuterey) und vor uns das Tal Vallée de la Lée Blanche.

Was darf nicht fehlen? Natürlich das berühmte Refugio Elisabetta umrandet von 4000ern. Danach folgte ein kurzer, aber steiler Abstieg, der uns auf eine alte römische Straße bis ins Tal Val Veni führte, vorbei an Seen und dem absoluten Bilderbuch A-Frame Haus Cabane du Combal.

Zu Beginn des Tages versprach ich Laura, dass der vorherige Anstieg von 400 Höhenmetern der einzige Anstieg des ganzen Tages sein würde. Diese Annahme beruhte auf meiner Planung, oberhalb von Courmayeur in einem Campingplatz zu übernachten, wofür wir einfach weiter Richtung Tal hätten gehen müssen. Die TMB-Variante direkt nach Courmayeur machte mir jedoch einen Strich durch die Rechnung, denn auf uns warteten noch einmal erfreuliche 600 Höhenmeter Aufstieg zum Col Chécrouit, die sich landschaftlich jedoch noch einmal richtig lohnen sollten.

Wir hatten die ganze Zeit einen perfekten Blick auf die Rückseite des Mont Blanc. Im nächsten Bild seht ihr den Mont Blanc mit seinem Gipfel ganz in der Mitte. Ist es nicht beeindruckend, wie unterschiedlich dieser Berg im Vergleich zum sanften weißen Hügel aussieht, der er von Chamonix aus ist? Vergleicht das nächste Bild einmal mit dem ersten Bild dieses Blogposts. Hier steil und felsig, da sanft und weiß.
Irgendwann tauchte das Schild von Courmayeur auf, das Ende unserer Tour. Es war Zeit, auf Wiedersehen zu sagen. Sich von einem Berg zu verabschieden, der Laura die letzten 4 Tage begleitete, während er uns immer wieder zwischen all den Wolken weit oben erschien. Der Berg, der mich vor 2 Jahren so viel Demut gelehrt hatte, als ich die Besteigung topfit, aber mit einer Lebensmittelvergiftung abbrechen musste. Die letzten 2 Jahre, so viele Trainingseinheiten, darunter auch so viel Training, dass weiter von Spaß nicht hätte entfernt sein können. Warum ich es dennoch gemacht habe? Der Ehrgeiz, gut vorbereitet zu sein, so viel Sicherheit wie möglich zu schaffen. Heil wieder runterkommen. Stundenlang eine 30cm Stufe vor einer weißen Wand hoch und wieder runtersteigen. All die Wasserkanister, die ich den Berg hochgetragen habe. Im Sommer mit Kat-D Schuhen trainiert. Steigeisen im Fels ohne Schnee und dafür von allen ausgelacht werden. Tausende Schritte. Aber auch die Freundlichkeit in den Bergen, jeder grüßt, alle sind nett.
Es war ein komisches Gefühl, um diesen Berg herumzulaufen und die Tage rückwärts zu zählen, wie lange es her ist, als ich wirklich oben stand. Danke Mont Blanc, dass ich all das erleben durfte. Aber insbesondere auch ein Danke an Laura, die diese Farewell-Tour mit mir bestritten hat. Es ist ein Ende, aber ein schönes Ende. Und jetzt auf die vielen weiteren Freuden im Leben, die auf mich warten.
