kasbo – snö feat. freja the dragon

Manchmal läuft alles nicht so, wie man es sich vorstellt. Und manchmal investiert man unzählige Stunden und dann war alles mehr oder weniger umsonst. Es ist also nicht alles schön und bunt und manchmal, da muss man den ganzen Frust auch verarbeiten. Etwa mit so einem Blogpost. Wo fange ich an?

 

Vielleicht im Winter 23/24, als ich den Entschluss fasste, die Mont Blanc-Besteigung noch einmal zu versuchen. Nicht wieder an drei, sondern nur noch an einem Tag sollte es vom Tal bis hoch zum höchsten Berg Europas und wieder runter gehen, alles am Stück. Da braucht man Geschwindigkeit und was gibt es besseres als Trailrunning, um das zu verbessern. Blöd nur, wenn die Füße und das Geschick nicht mitmachen und man dabei diverse Male umknickt, jedes Mal gefolgt von mehrwöchigen Pausen. Das war in den ersten Monaten des Jahres 2024.

Wir spulen vor zur ersten Asien-Reise meines Lebens im April 2024. Maske getragen auf über 15 Stunden Reisezeit, zum Dank dafür wieder eine Erkältung bekommen, vielleicht Corona, wieder das Risiko auf Long-Covid. Wieder über eine Woche Ausfall. Aber auch diese Zwangspause ging vorüber und Mitte Mai 2024 konnte ich voller Tatendrang endlich wieder ins Training einsteigen, der Hauptwettkampf des Jahres Mitte September rückt schließlich unaufhaltsam näher. Adidas Inifinte Trail, 60 Kilometer mit über 5.000 Höhenmeter.  Drei Wochen später bin ich wieder umgeknickt, wieder folgte Pause. Ich war nahe an der Verzweiflung.

Aber auch diese ungeplante Pause sollte vorrübergehen und irgendwann befand ich mich auf der Zielgeraden zum ersten sportlichen Event des Jahres, den Marathon bei der Challenge Roth Anfang Juli. Mit Max als Staffelschwimmer, Jens als Staffelradfahrer und mir als Staffelläufer wollten wir zu dritt die Faszination Challenge Roth erleben. 3 Tage vor Start liege ich blutüberströmt mit aufgeschnittenem Bauch im Klinikum Rechts der Isar. Ein mittelgroßer Abszess am Bauch, der nur mit lokaler Betäubung geöffnet und geleert wurde, da die geplanten und dringenderen OPs bis zum Abend dauern sollten. Am morgen kam ich in der Notaufnahme an und rechnete bereits mit einem stationären Aufenthalt. Jackpot, schöne Übernachtung mit fantastischem Essen. Trost spendete, dass ich mir auf dem iPad in aller Ruhe noch mal die Asienfotos anschauen konnte. Aber so starb die geplante Teilnahme an meinem ersten Event im Jahr 2024, denn einen Marathon mit aufgeschnittenem und nicht zugenähten Bauch läuft man lieber nicht.

  1. Marathon bei der Challenge Roth Anfang Juli 2024
  2. 8 tägige Alpencross mit dem Mountainbike
  3. Mit dem Rennrad nonstop zum Gardasee mit Palme und Patrick
  4. Adidas Infinite Trail

 

Ihr ahnt es schon, es folgten weitere 4-6 Wochen Zwangspause. So lange eben, bis sich der Abszess nicht nur geschlossen hat, sondern auch die dann noch auf der Haut befindliche Narbe geheilt ist. Denn das Loch im Bauch wird bewusst nicht genäht wird, damit man innen keine Keime einschließt, man muss das offene Loch in der Bauchdecke dann täglich mehrfach ausduschen. Ja, genau so wie man es sich beim lesen vorstellt. Für Wochen. Und so verstrichen ebendiese mit kompletter Sportpause, denn ich wollte jeglichen Zug auf den Bauch vermeiden.

Genau 2 Wochen vor der Alpencross war alles soweit wieder verheilt, dass ich mir die ersten ganz kurzen Sporteinheiten zutraute. Gefolgt vom Alpencross-Testwochenende aus dem vorherigen Blogpost. Freitag ging es mit inzwischen muskulär komplett verkümmertem Oberkörper zusammen mit Daniel auf die Alpspitze. Klettersteig, 650 Höhnenmeter. Das lief soweit erstaunlich gut, nur die Puste war nicht mehr existent. Am Folgetag stand das Abschlusstraining der Alpencross an. Bike and Hike auf Zugspitze. Mir ging es schon nach kurzer Zeit kräftetechnisch extrem schlecht. So schlecht, dass ich beim Wandern eine Bestzeit auf die Zugspitze aufstellte, weil ich ab der Reintalangerhütte quasi ohne Pausen komplett durchlief bis zum Gipfel oben. Jede Pause hätte mir nur abverlangt, mit kalten Muskeln wieder loszugehen, deswegen Augen zu und durch. Ich wollte es einfach nur hinter mich bringen. Auf dem Rückweg fühlte ich mich erstaunlich gut. Am nächsten Morgen fühlte ich mich erstaunlich schlecht. Magen-Darm-Infekt oder  Lebensmittelvergiftung. 39 Grad Fieber und weder Essen noch Trinken wollten drinbleiben. Und das wenige Tage vor der Alpencross.

Die genaue Ursache erfuhr ich erst einen Monat später „Keime in der Partnach? Bergsteiger trinken aus Fluss und werden krank

2 Tage vor Beginn der Alpencross konnte ich wenigstens langsam wieder essen und trinken, ohne dass es gleich rauswollte. Und so entschied ich, die Alpencross wenigstens zu versuchen, abbrechen kann man ja immer noch. Beweisfotos: Ich war dabei beim ersten Alpencross-Tag!

Auch ein Beweisfoto: Ich auf der Heimfahrt am zweiten Tag der Alpencross. Es war ein Versuch und der scheiterte daran, dass ich schon nach einer kleinen Menge Essen satt war und nicht die gewohnten Portionen essen konnte. Folglich leider auch nicht die Portionen, die man braucht, um täglich 3.000-5.000 Kalorienverbrauch auszugleichen. Und so ging es von St. Anton am Arlberg wieder heim.

  1. Marathon bei der Challenge Roth Anfang Juli 2024
  2. 8 tägige Alpencross mit dem Mountainbike
  3. Mit dem Rennrad nonstop zum Gardasee mit Palme und Patrick
  4. Adidas Infinite Trail

Mein Plan war, dann eben mit dem Motorrad nachzureisen und ein paar Anstiege per Trailrun / Wandern mitzubegleiten. Das sind jeweils nur 1-3h Sport und für das Ausgleichen des dafür benötigten Energieverbrauchs hatte ich dann jeweils den ganzen Tag Zeit. So packte ich meine sieben Sachen und reiste per Motorrad hinterher in die Schweiz nach Müstair.

Der nächste Morgen, meine erste begleitende Etappe bergauf nach Val Mora. Ahnt es schon wer?

Auf der Mitte des Anstieges nach nicht einmal 1,5h musste ich aufgrund immer stärker werdener Schmerzen in der Brust abbrechen. Ein sich aufbauendes Enge und Druckgefühl mitten über dem Brustbein. Was war denn nun schon wieder los? Etwas Sorge machte sich in mir breit. Einen Tag später hatte ich schon einen Termin für den Folgetag bei der Kardiologie im Klinikum rechts der Isar ausgemacht, ich solle mit den beschriebenen Symptomen und der Vorgeschichte einmal aufgrund der Gefahr einer akuten Herzmuskelentzündung wieder als Notfall vorstellig werden. Ursache kann der erste Alpencross-Tag gewesen sein, so kurz nach dem Norovirus-Infekt eine zu starke Belastung. Also wurde auch dieser Versuch wieder abgebrochen und ich fuhr nach nur einem Tag Aufenthalt wieder einmal komplett durch die Schweiz 8 Stunden lang zurück in die Heimat.

 

Wir spulen vor zum 25 August. Inzwischen weiß ich, dass es dem Herzen gut geht und auch gut ging, beim Kardiologen waren alle Tests negativ. Die Schmerzen in der Brust kann ich nun relativ gut eingrenzen. Sie sind weiterhin da, aber nur bei aufgerichetem Oberkörper und insb. bei Armschwung, etwa beim Laufen oder wandern mit Stöcken. Eine Reflux-Störung (Sodbrennen / aufkommende Magensäure in die Speiseröhr ausgelöst durch die Bauchmuskeln beim Sport) ist es vermutlich nicht, der Termin beim Lungenarzt steht aber noch aus, sicherheitshalber. Aber an Laufen ist derzeit gar nicht zu denken und ohne Training braucht man keinen Ultratrail laufen. Und so muss ich bitter mit der enttäuschenden Erkenntnis umgehen, dass auch der Ultratrail nichts wird.

  1. Marathon bei der Challenge Roth Anfang Juli 2024
  2. 8 tägige Alpencross mit dem Mountainbike
  3. Mit dem Rennrad nonstop zum Gardasee mit Palme und Patrick
  4. Adidas Infinite Trail

 

Gestern bin ich das erste Mal wieder 40 Kilometer mit dem Rennrad gefahren und die ersten 10-15 Minuten waren auch furchtbar, danach wurde es aber stetig besser und das bekräftigt mich auch in dem Gedanken, dass es etwas muskuläres ist, das die Atmung blockiert und das ich mir inzwischen wie folgt zusammenreime:

  1. Durch die wochenlange vollständige Sportpause ist meine Muskulatur sehr verkümmert. Das in Kombination mit der Schreibtischarbeit und dem vielen Motorradfahren sorgte für eine extrem verkürzte Brustmuskulator und eine zu schwache Rückenmuskulator
  2. Beim Alpspitzklettersteig habe ich durch den starken Armeinsatz mit viel Zug nach oben die Muskulatur vermutlich deutlich überlastet und gereizt.
  3. Bis vor 1-2 Wochen habe ich kaum / keine Kräftigungsübung gemacht, da ich unsicher war, ob es das besser oder schlechter macht.
  4. Nun merke ich, dass Muskeltraining und viel Dehnen die Sache langsam besser werden lässt.

 

 

Bleibt noch das letzte Ziel, „Mit dem Rennrad nonstop zum Gardasee mit Palme und Patrick“. Drückt mir die Daumen, dass das in 3 Tagen klappt und ich wenigstens ein Event in diesem aus sportlicher Sicht furchtbaren Jahr mit Freude erleben kann.

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Nachtrag Mitte September. Am 12.09 konnte ich das erste Mal wieder 5km am Stück laufen. 2,5 Monate lang an Laufen ohne Gehpausen alle 2-3 Minuten nicht zu denken. Eine lange Geschichte für die Erinnerungen. In der Zwischenzeit habe ich nicht nur 500 Reddit-Posts durch, sondern auch ca. 500 Theorien aufgestellt, was es alles sein könnte… Exercise Induced Reflux, Dynamische Hyperinflation der Lunge, etc. pp. Bei allem haben die Symptome gepasst, aber nichts davon hatte ich. Ich war ratlos. Nun bin ich gefühlt Profi im „Welche Beschwerden treten bei welcher Atmung auf“.

Letztendlich bin ich durch die wochenlange komplette Zwangspause nach der OP einfach so dermaßen verkürzt, dass meine Lunge keinen Platz zum Ausdehnen findet, nur noch nach vorne Richtung Brustbein / Brustwand kann und der dortige Dehnschmerz die Ursachen auslöst. Dadurch fängt man dann auch „Accessory Breathing“ an, was aufgrund des Einsatzes der Halsmuskulatur dann in den Hals einstrahlt als Schmerz.

-> Heute morgen habe ich mich ausgiebig gedehnt. Vordere und seitliche Bauchmuskeln, Zwerchfell durch Atemübung, ganze Brustkorb, BWS-Bereich und ja.. es ging so gut, dass ich 5km am Stück geschafft habe mit nur mittleren Beschwerden im BWS-Bereich. Ein Lichtblick am Herbstanfang.

Ach ja, die 350 Kilometer zum Gardasee haben wir erfolgreich gemeistert 🙂